Craft-Bier – der Modebegriff

Vor einem Jahr wusste noch kaum jemand was „Craft-Bier“ ist, und heute ist es in fast aller (Medien-) Munde. Allerdings, was Craft-Bier eigentlich ist, kann niemand genau formulieren. Da gehen die Meinungen auseinander. Von „kein Konzernbier“ bis zum trübsauren Bügelflaschenbier aus der Garagenbrauerei hat alles Platz, was irgendwie nach Bier riecht oder aussieht.

Der Fachmann sieht das ein bisschen anders. Der Begriff „craft beer“ stammt aus den USA. Man bezeichnete damit die Biere aus den mittlerweile rund 3000 „craft breweries“. Das sind selbstständige Brauereien, meist klein, von Inhabern geführt und in einer Region beheimatet. Also nicht viel anders als bei uns das gute Dutzend „normale“ Klein- und Mittelbrauereien. Der wesentliche Unterschied besteht in den Bieren selber. Den „craft brewers“ in USA kommt es nämlich niemals in den Sinn, ein mehr oder weniger ähnliches Bier zu brauen wie die “Grossen“. Differenzierungsstrategien sind selbstverständlich – „what else..?“. Ganz im Gegensatz zu uns, wo praktisch alle Kleinbrauer und ein Grossteil der „neuen Wilden“ etwa das Gleiche brauen: Helles Malz, untergärige Hefen und die übliche Hopfung. Entsprechend gleichförmig schmecken die Biere. Allenfalls sind die einen filtriert, die anderen haben ein bisschen anderes Malz. Allzu gross ist die Differenz aber nicht. Und wenn einer etwas Neues wagt, wird er scharf beobachtet – und im Erfolgsfall sofort kopiert.

In den USA blüht dagegen ein intensiver Stil- und Geschmackswettbewerb. Ueber 100 Bierstile kennt die AB-Liste (Amercian Brewers) mittlerweile. Es entstehen daraus auch immer wieder starke Trends. Da waren mal die Honey-Amber, dann kamen die IPA`s, die Holzfassgereiften folgten hinterher – und jetzt taucht am Horizont die nächste Stilrichtung auf – Sourbeers. Diese Vielfalt macht das Bierangebot so einmalig bunt und spannend. Es dürften Millionen von US-Bürgern sein, die sich so zu Bier-Kennern und Bier-Fans entwickelten. Ein eigentlicher Bier-Tourismus entstand, man fährt von Brauerei zu Brauerei, verkostet, diskutiert und kauft. Es füllt den vielen Kleinen jedes Wochenende die Kasse mit attraktiven Direktverkäufen…

Ich gebe es zu – ein paar dieser Ideen habe ich in die neue kleine PILGRIM-Brauerei einfliessen lassen. Zum Beispiel Differenzierung. Wir brauen die „anderen“ Biere. Das Helle überlassen wir den Grossen. Wer in den Brauerei-Shop kommt, vor den Kupferpfannen, der sieht sich unerwartet in einem kleinen Bier-Paradies. Bald füllen 8 bis 10 Bierstile das grosse Regal. Von der kleinen Stubby-Flasche fürs Original Klosterbier Amber bis zur Champagner-Magnum mit Zapfen mit Triple Blonde und 10% Alkohol. Die Menschen staunen über die Biervielfalt, sie fragen und werden neugierig. Und wir staunen über die Offenheit für Neues – weit hinten im Thurgau. Da wo man es nicht vermuten würde.

Waren Sie schon mal bei uns?

Martin Wartmann, Bierbrauer

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