Hopfenernte 2015 macht Brauern Sorgen

Die Hopfenernte hat Verspätung. Der trockene Sommer hat Spuren hinterlassen. Der Erntausfall beträgt ca. 30%. Das betrifft besonders die ohnehin knappen Aroma-Sorten wie Cascade, Citra, Lemondrop usw.. Die Hopfenpreise steigen massiv an.

Die Marktlage

Der neue Trend der Craft-Brewer nach hopfenaromatischen Bieren hat die Nachfrage nach Aromahopfen zusätzlich ansteigen lassen. Weil es 3-4 Jahre dauert bis eine Hopfenanlage vollen Ertrag bringt entsteht durch den Ernteausfall ein zusätzlicher Mangel an Aromahopfen. Die Preise steigen an. Normaler Bitter- oder Industriehopfen kostet pro Kilo Pellets CHF 10 bis 12. Für  Aromahopfen zahlt man das Dreifache, CHF 30 bis 35 sind an der Tagesordnung. Der Brauer ist froh, wenn er überhaupt Aromahopfen für sein trendiges IPA erhält.

Auswirkung

Während die „Industrie“ meist über grosse Vorräte an Bitterhopfen verfügt, ist das ist für die vielen Kleinstbrauer ein spezielles Problem. Hopfen wird mit sogenannten „Kontrakten“ im Voraus gekauft. Mengen um 1000 kg sind üblich. Ein Kleinstbrauer benötigt vielleicht 50-100 kg von einer besonderen Hopfensorte für sein Pale Ale. Er kann keine Kontrakte abschliessen und kommt kaum an die Händler heran. Sowieso in Zeiten der Knappheit ist keines der grossen Hopfenhäuser daran interessiert,  sich wegen Kleinstmengen Arbeit zu machen. So bleibt vielen Kleinen nichts Anderes übrig als ihre Biere nach den zur Verfügung stehenden Sorten zu aromatisieren, und nicht unbedingt nach dem Wunsch der Braumeister. Ganz besonders bei den trendigen India Pale Ales – IPA – wirkt sich das deutlich in der Qualität aus.

Wir haben zum Glück vorgesorgt und vor ein paar Monaten einen Aromahopfen-Kontrakt über mehrere Tonnen abgeschlossen: PILGRIM „IPA“ wird über lange Zeit immer gleich aromatisch bleiben. Es zeichnet sich als „Renner“ in der PILGRIM Craft Beer Selection ab.

Hopfen in der Schweiz

Der Hopfenanbau in der Schweiz stagniert auf tiefstem Niveau. Leider. Er dürfte knapp 2% des Bedarfs decken. Obwohl Hopfen klimatisch bestens in die Schweiz passte entstehen keine neuen Hopfenanlagen. Hintergrund ist der stark schwankende Weltmarktpreis, insbesondere für Industrie- oder Bitterhopfen, sowie die fehlende Infrastruktur für Ernte und Trocknung. Kommt dazu, dass sich die zwei „Grossen“ – Carlsberg und Heineken – auf den globalen Märkten preisgünstigt versorgen und kein Interesse an einer teureren Inlandproduktion haben. Warum nun aber viele der Kleinbrauer sich mit „Schweizer Gerste“,  die man im Ausland vermälzen muss, zu profilieren versuchen, und den Schweizer Hopfen dabei vergessen, ist schwer nachzuvollziehen.

Hopfenblüten Hallertau Aroma Tradition und Perle
Hopfenblüten „Hallertau Aroma Tradition“ (länglicher) und „Perle“ (klein rundlich)

Hopfenanlage Kartause Ittingen

Die letzte grosse Anlage waren die Hopfengärten in der Kartause Ittingen – 2 ha Hopfen exklusiv für’s Ittinger Klosterbräu. Sie wurden im Jahre 2003 erstellt und trugen 2005 erstmals Ernte. Angebaut wurde eine Mischkultur mit 2/3 Hallertauer Aroma Tradition und 1/3 Perle – ein Allrounderhopfen. Heute würde man wahrscheinlich auf die Sorte Perle verzichten zugunsten eines aromatisch besser profilierten Hopfen. Der Ittinger Hopfen geht exklusiv in’s Ittinger. Er darf nicht an Drittbrauereien verkauft werden.

Hopfen enthält für Bier zwei relevante Stoffe

Einerseits Alpha-Säure oder Bitterstoffe in den Blütenblättern, welche dem Bier die gewünschte Bittere bringen und beitragen zu Haltbarkeit, Glanz und Schaumstabilität. Andererseits Hopfenöle bzw. Lupulin, welches im Blütenstaub sitzt und vielfältige Aromakomponenten enthält. Die Kunst des Würzens mit Hopfen ist die richtige Mischung und der richtige Moment der Zugabe.

Frühmorgens - fast mystische Stimmung im Hopfengarten
In den langen Gängen zwischen den 8 Meter hohen Ranken herrscht im Morgendunst eine fast mystische, ruhige Stimmung

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