Haltbarkeit von Bier

Macht „abgelaufenes Bier“ krank? Vorab – Bier kann eigentlich gar nicht „ablaufen“, sprich dem Organismus Schaden zufügen. Sterile Industriebiere verändern sich im Geschmack, verlieren Glanz, Schaum. Trinkbar bleiben sie alleweil. Ich habe im „Verzweiflungsdurst“ schon dreijähriges Dosenbier getrunken – ohne Schaden zu nehmen. Die nicht filtrierten, hefehaltigen trüben Hellen mit rund 5% Alkohol, oft aus Kleinstbrauereien, oxidieren mit der Zeit, der Geschmack wird brotig, sie können sauer werden, meist von Milchsäurebaktieren. Das Bier schmeckt dann zwar nicht mehr besonders gut, es ist aber völlig harmlos.

Haltbarkeit auf PILGRIM Triple Ambrée
Haltbarkeit auf PILGRIM Triple Ambrée

Die Geschichte mit den „Mindesthaltbarkeitsdaten“ hat Vater Staat den Brauern eingebrockt. Siehe die detaillierten gesetzliche Anweisungen am Ende dieses Berichtes. Er ist nämlich der Meinung, die Biertrinker seien nicht mehr in der Lage, mit den vom Lieben Gott eingebauten Kontrollinstrumenten Augen, Nase und Gaumen selber zu entscheiden, ob ein Bier geniessbar ist oder nicht. Seither muss die Brauerei auf die Packung schreiben, bis wann das Bier zu trinken ist, und zwar auf den Tag genau. Das ist natürlich Schabernack. Wie soll jetzt ein Brauer wissen, an welchem Tag sein unfiltriertes und nicht pasteurisiertes Hefe-Weissbier den pH-Wert unterschreitet wo der Konsument denkt, das schmeckt mir nicht mehr. Sowieso weil er ja nicht weiss, wo das Bier aufbewahrt wird.  In der warmen Heizung? Im Kühlschrank?

Weil der Brauer aber keinen Ärger mit dem Grossverteiler und der Hausfrau will greift er zur „Haltbarkeitskeule“ und pasteurisiert sein Weissbier. So bleibt es weit über die deklarierten 3 Monate unverändert gleich – und alle haben ihren Frieden. Der Grossverteiler kann grosse Lager anlegen und  Bier monatelang warm herumstehen lassen. Und die Hausfrau kann die Biere mit der längsten Haltbarkeit kaufen, auch wenn es der Vater am andern Tag trinkt.

Nur der Brauer leidet – weil er weiss, dass durch den Pasteurisationsprozess eine ganze Reihe wunderschöner Aromakomponenten aus Hopfen und Gärung kaputtgehen. Sein frisches Bier ist danach tot.

Bier ist keine Dauerwurst

Noch vor 60, 70 Jahren holte man das Bier im Krug beim Wirt. Am Besten schmecken heute noch frische, nicht pasteurisierte Spezialitätenbiere direkt aus der Brauerei!  Wenn man sie kühl aufbewahrt, behalten sie ihren Geschmack problemlos 2, 3 Monate. Sowieso, wenn sie viel Hopfen enthalten, wie bei IPA’s. Hopfen konserviert zusätzlich. Diese Biere sind auch nach dieser Frist mehr als nur „trinkbar“ –  allerdings verlieren sie mit der Zeit Aroma und können etwas säuerlich werden. Wenn man es nicht mehr trinken mag – zum Kochen eignen sie sich ganz hervorragend. Gerade eben auch wegen der Säure. Und ansonsten – die Blumen lassen danken.

Wenn man einen sicheren Biervorrat will, der monatelang hält, erkundigt man sich beim Brauer nach einem pasteurisierten Bier. Oft sind die „einfacheren“ Konsumbiere zugunsten der problemlosen Aufbewahrung leicht pasteurisiert. Es sind die harmlosen Durstlöscher, wo sich die geschmackliche Ausgestaltung ohnehin in Grenzen hält.

Reifung

Für einen gepflegten und sehr lange haltbaren Biervorrat hält man sich am Besten an die Starkbiere. Ab 8 bis 9 % wirkt Alkohol konservierend bzw. haltbarmachend. Genau wie Wein erleben diese Biere eine Alterungsreifung. Sie verändert zwar auch den Geschmack – allerdings auf die positive Seite. Kenner halten sich darum Vorräte von besonders starken Bock, Doppelbock oder eben Triples und sind gespannt auf den Genuss nach einigen Jahren. Sie sollten sich also unverzüglich einen Vorrat PILGRIM Triple anlegen… zwecks Verkostung in 2, 3 Jahren.

Martin Wartmann

 

Auszug aus der Verordnung des EDI über die Kennzeichnung und Anpreisung von Lebensmitteln Stand 1.1.2014

6. Abschnitt: Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum (Datierung)

Art. 11 Definitionen

1 Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist das Datum, bis zu dem ein Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaften behält.
2 Das Verbrauchsdatum ist das Datum, bis zu welchem ein Lebensmittel zu verbrauchen ist. Nach diesem Datum darf das Lebensmittel nicht mehr als solches an Konsumentinnen oder Konsumenten abgegeben werden.

Art. 12 Grundsätze

1 Auf Lebensmitteln muss das Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben werden.
2 Auf Lebensmitteln, die nach Artikel 25 der Hygieneverordnung des EDI vom 23. November 2005 oder nach spezifischen Temperaturanforderungen der Hygieneverordnung kühl gehalten werden müssen, muss an Stelle des Mindesthaltbarkeitsdatums das Verbrauchsdatum angegeben werden.

Art. 13 Ausnahmen

Die Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums ist nicht erforderlich bei:
a.  frischem Obst und Gemüse, die nicht geschält, geschnitten oder in ähnlicher Weise behandelt worden sind; sie ist jedoch erforderlich bei Keimen von Samen und ähnlichen Erzeugnissen (Sprossen von Hülsenfrüchten usw.);
a bis  Wein, Likörwein, Schaumwein, aromatisiertem Wein und ähnlichen Erzeugnissen aus andern Früchten als Weintrauben sowie bei aus Weintrauben oder Traubenmost hergestellten alkoholischen Getränken;
b.  alkoholischen Getränken mit einem Alkoholgehalt von 10 oder mehr Volumen-%

Art. 14 Ausgestaltung der Datierung.
1  Die Datierung ist wie folgt anzugeben:
a.  das Verbrauchsdatum:
1. deutsch: «verbrauchen bis …»;
b.  das Mindesthaltbarkeitsdatum:
1 deutsch: «mindestens haltbar bis …», wenn der Tag genannt wird; «mindestens haltbar bis Ende …» in den übrigen Fällen
2  In Verbindung mit dem Wortlaut von Absatz 1 ist das Datum selbst anzugeben oder die Stelle, wo es auf der Packung zu finden ist.
3  Das Datum besteht aus der unverschlüsselten Angabe in der Reihenfolge Tag, Monat und Jahr.
4  Folgende reduzierte Datumangaben sind möglich, wenn die Haltbarkeit beträgt:
a.  weniger als drei Monate: Angabe von Tag und Monat;
b.  mehr als drei Monate, jedoch höchstens 18 Monate: Angabe von Monat und Jahr;
c.  mehr als 18 Monate: Angabe des Jahres.
5  Die Datierung ist, soweit erforderlich, durch einen Hinweis auf die Aufbewahrungsbedingungen zu ergänzen.

 

 

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