Das mit den CRAFT BEERS ist so eine Sache

Der Begriff „Craft Brewer“ bzw. „Craft“ Beer stammt aus USA und bedeutet übersetzt „Brauhandwerk“ oder „handwerklich gebrautes Bier“. Verstanden wurde darunter im Allgemeinen ein ein geschmacklich anderes Bier als die US-Standardbiere. Es sollte aus einer konzernunabhängigen Kleinbrauerei stammen. Heute schwappt diese Craft-Bier-Welle nach Europa. Der Begriff grassiert – und niemand weiss genau, was damit eigentlich gemeint ist.

Ausgangspunkt waren die zehntausenden von US-Heimbrauern, die, motiviert durch die Prohibition, die Kunst des Bierbrauens im Geheimen weiter pflegten: irische, deutsche, belgische, böhmische Brautraditionen überlebten.

Gesetzesänderungen Ende der 80-iger erlaubten den Erfolgreicheren, ihre Bier zu verkaufen. Diesen ersten US-Craftbewer fiel es nicht im Traum ein, die gleichen Biere zu brauen wie die Grossen! Sie hielten sich an alte Rezepte der Vorfahren und brauten in erster Linie geschmacksintensive historische Bierstile. Darum ist der Begriff „caft beer“ in den USA eigentlich ein Synonym für „andere Biere“, welche anfänglich natürlich immer aus kleinen Brauereien stammten.

Eine der ersten „Craft Breweries“ war Anchor Steam in San Francisco. Die Brauerei wurde vom damaligen Dirigenten des Stadtorchester reaktiviert und quasi als „Kulturbrauerei“, mit den alten Brautraditionen, reanimiert. Die meisten Start-Ups wurden von Quereinsteigern initiiert und positionierten sich mit ganz besonderen, historischen Bieren, einer besonderen Geschichte, in einer kleinen, hochpreisigen Nische. Heute, nach bald 30 Jahren, sind diese Kleinbrauer gross geworden. Samuel Adams, DER Pionier der Craftbeerszene, braut heute über 3 Mio Hektoliter. Sierra Nevada Brewing, die Studentenbrauerei aus den 80-igern, 1 Mio hl. Beide gelten immer noch als „craft brewery“, ihre Biere sind „craft beers“. Die rund 2000 US-craft-brewer brauen über 20 Mio hl, 10% Marktanteil. Sie beschäftigen zehntausende von Mitarbeitern und sind ein ernsthaftes Problem für die Konzernbrauereien.

Darum brauen heute auch die Konzerne „craft beer“. Redhook, Blue Moon, Goose Island, Omegan und viele andere gehören irgendwelchen Konzernen, welche kräftig im hochpreisigen Segment mitmischen. Sie kaufen laufend erfolgreichere Kleinbrauereien auf. Die Frage, ob eine nicht mehr eigentümergeführte Kleinbrauerei noch eine Craftbrewery ist, scheidet darum die Geister. Mit dem Geschmack der Biere hat es jedenfalls nichts zu tun. Der Begriff „craft beer“ ist deshalb auch in den USA zunehmend diskutiert, verwässert und verwirrlich.

Bei uns in der Schweiz ist es umgekehrt: Die eigentlich der Kategorie „Craftbrewery“ zuzuordnenden Familien-Brauereien aus der IG Kleinbrauereien brauen aus historischen Gründen hauptsächlich untergärige „Industriebier“-Typen wie Lager und Spez, hell oder dunkel, allenfalls bernsteinfarben, filtriert und nicht filtriert. Es sind fast immer die gleichen Biertypen, die auch die Konzerne Heineken und Carlsberg brauen. Die geschmackliche Differenzierung dieser relativ einfachen Biere, Durstlöscher, ist minim. Ich habe darum Mühe, diesen Bieren den Begriff „Craftbeer“ zuzugestehen. Sie unterscheiden sich nach meiner Meinung zu wenig vom „Standardbiertyp Schweiz“, der mit 70% Anteil immer noch den Markt beherrscht.

Die meisten der vielen neuen Brauereien, eigentliche Start-Ups, versuchen zwar alternative und fantasievolle Biere zu entwickeln. Aus wirtschaftlichen Gründen kommen sie nicht darum herum, Konzessionen an den durch die Kartellzeit verödeten Massengeschmack zu machen und sich mit einem leicht zu trinkenden „Standardbier Schweiz“ Volumen zu sichern. Hinzu kommt oft fehlendes Know-How und die Mittel für Entwicklung der komplexen Bierrezepte. Es führt zu einer vordergründig gewaltigen Vielfalt an „neuen“ Bieren, welche sich bei näherer Betrachtung als geschmacksneutrale Variante des untergärigen „Standardardbier Schweiz“ entpuppt.

Um da für den Konsumenten etwas Transparenz zu schaffen, müsste man nach meiner Meinung unterscheiden zwischen der Brauerei und deren Bier. Die Biere müsste man, unbesehen von der Brauerei, als „Spezialiäten-Bier“ nach den anerkannten Bierstilen einordnen, wie sie beim Wettbewerb „European Beer Star“ gelten. Mit dazu gehört eine kurze Beschreibung des Geschmacks, zwei, drei Stichworte, wie das auch bei Weinen üblich ist. Wirt und der Konsument wissen damit, was sie in Etwa erwartet.

Wo die Brauerei steht, in welchem Land, und was für eine Brauerei es ist, ist ein anderes Thema. Es kann nebst der klassischen Familien-Kleinbrauerei auch eine Klosterbrauerei sein, eine Mikro-Vereins-Brauerei, ein Hobbybrauer,  eine Gasthaus-Brauerei, ein Start-Up oder eine zu einem Konzern gehörende Spezialitätenbrauerei. Die Bezeichnung „Craft Brewery“ wäre damit eine übergreifende, ergänzende Angabe. Mit dem Brauen selber bzw. mit dem Geschmack des Bieres hat es jedenfalls wenig bis nichts zu tun. Geschmack und Qualität der Biere sind eine Frage des Könnens und der Technik und sind nicht abhängig von Besitzverhältnissen und Grösse.

4.11.2015  Martin Wartmann, Bierbrauer  martin.wartmann@pilgrim.ch

Martin Wartmann Boston 2015
Martin Wartmann Boston 2015

 

  • antworten Bernet Waldemar ,

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    • antworten insure police car gta ,

      Herlig tåbilde!!Samarbeid er vel et ikke-eksisterende ord i den alderen, hihi, men er vel forståelig når livets goder oppdages dag etter dag -er mye som en liten pjokk skal rekke i løpet av en dag! Kommer det bilder av prinse-rommet etterhvert da?Ha en fin dag!!

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