1250 Jahre Brautradition im Tannzapfenland

„Wurde in Fischingen auch früher Bier gebraut…“? Immer wieder taucht diese Frage auf – hat man im Kloster Fischingen gebraut? Es gibt keine direkten Hinweise auf eine Fischinger Klosterbrauerei. Es gibt aber einen Beweis, dass man im Tannzapfenland vor über 1200 Jahren schon Bier gebraut bzw. gekannt hat. Man kann darum davon ausgehen, dass im Fischinger Klosterhaushalt Bier von Anfang an eine wichtige Rolle hatte bei der Ernährung der Mönche und tausender von Pilgern.

Das Wissen um die Bierbraukunst kam nämlich mit den irischen Wandermönchen bzw. mit der Christianisierung um das Jahr 600 in unsere Gegend. Der erste irische Wandermönch war Columban von Luxeuil (540 – 23.11.615). Er und seine Gefährten kamen auf einer ihrer Missionsreisen über den Wasserweg zuerst nach Tuggen am oberen Zürichsee und später an den Bodensee. Weil sie in ihrem missionarischen Eifer unter den Einheimischen Streit auslösten, forderte der Herzog von Überlingen den Missionar auf, die Gegend zu verlassen. Columban zog weiter nach Süden. Viele Gefährten, unter Anderen Gallus (550-640) blieben aber zurück. Gallus wurde zum Gründer der Stadt St. Gallen. Sein Nach-Nachfolger Othmar gründete 719 zu seinen Ehren dort das Kloster.

Ein weiterer Mönch aus der irischen Missionierungsbewegung und Nachfolger auf den Wegen von Columban, war Piminius. Er gründete das Kloster Reichenau (724). Hier entstand um 820 auch der berühmte „St. Galler Klosterplan“ – eine theoretische Grundlage, wie man sich damals ein Kloster vorstellte. In diesem Klosterplan sind drei „Back- und Brauhäuser“ eingezeichnet: Eines für Bettler und Pilger, eines für Mönche und eines für Äbte und Fürsten. Man unterschied auch bereits zwischen einer „Getreidebrauerei“ und einer „Weizenbrauerei“. Bier als Getränk und Nahrungsmittel hatte also im Leben der Bodenseeklöster um 800 bereits eine grosse Bedeutung. Man darf davon ausgehen, dass man auch im Benediktinerkloster Fischingen (gegründet 1134) von Anfang an wusste, wie man Bier braut.

Klosterplan St. Gallen um 830
Klosterplan St. Gallen um 830

Im berühmten Kräutergarten des Reichenauer Klosters kommt auch Hopfen vor. Es ist allerdings nicht bewiesen, dass er hier den Weg ins Bier fand.

Ein weiterer und weitgehend unbekannter „Beweis“ für Bier in unserer Region ist die „Henauer Urkunde von 754“. Darin schenkt ein gewisser Rothpald seinen ganzen Besitz dem Abt Othmar im neu gegründeten Kloster zu St. Gallen. Darin aufgeführt sind unter Anderem die Ortschaften Wil, Rickenbach, Züberwangen und Dussnang – heutige Gemeinde Fischingen – sowie als Zins 30 Eimer Bier, welche Rothpald dem Abt jedes Jahr nach St. Gallen senden wollte. Es dürfte sich dabei um 300-400 Liter Bier gehandelt haben.

In der historischen Literatur zur Henauer Urkunde wird „Bier“ einmal mehr kaum gewürdigt. Verständlicherweise ist die erstmalige Nennung von Wil interessanter als die erstmalige Erwähnung von Bier nördlich der Alpen. Für uns Bierbrauer ist die Tatsache, dass wir an einem Ort brauen, wo Bierbrauen nachweislich seit 1‘200 Jahren Tradition hat allerdings eine kleine Sensation, auf die wir stolz sind. Die richtige Antwort auf die Frage, ob man in Fischingen Bier gebraut habe, lautet also: Im Tannzapfenland hat man bereits 500 Jahre vor der Klostergründung gebraut. Die Mönche haben die Braukunst einfach noch verbessert und optimiert…“

Martin Wartmann   9.9.16

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