Die neue Biertrinker-Terminologie

Was lange gärt schmeckt sicher gut…..Kennen Sie das auch, wenn der Kollege mit dem eigenen Weinkeller sich in den buntesten Ausdrücken über den soeben geöffneten Wein äussert? „..ich höre das Meer rauschen und sehe den Lavendel blühen…“, weil er im Spanier ein gewisses florales Bouquet gerochen hat. Ich gebe es zu, mich hat das immer amüsiert. Ich habe diese, im wahrsten Sinne des Wortes, „blumige“ Sprache nie so ganz ernst genommen und mit viel Spass mitgemacht. Auch wenn ich gar nichts in der Richtung schmeckte oder roch wie: „erinnert mich an verwelkte Apfelblüten und Hagenbuttentee..“

Ich hätte mir vor 20 Jahren aber auch nie gedacht, dass wir diese bunte Begriffs-Erscheinung jetzt auch in der Bierwelt haben! Damals, als man noch unkompliziert „Schtange hell“ bestellte und runterkippte.  Wenn da einer am Stammtisch von „blumiger Rosennase im Antrunk“ gesprochen hätte, wäre er postwendend ins Irrenhaus gewandert.

Und heute, in den Medien? Bei den Biersommeliers? Mammamia, was die Menschen da alles im Bier riechen und schmecken. Fleurop müsste neidisch werden ob den Nelken-Rosen-Veilchen-Bouquets. Und mein lieber Freud und Früchtehändler John Marinello müsste sofort Bier ins Sortiment aufnehmen, mit den Dörrobst-Zwetschgen- und Pflaumen-Aromen im Abgang.

Zwei Seelen kämpfen dann jeweils in meiner Brust. Einerseits ist es ja super und fantastisch, was mit unserer Bierwelt passiert. Beinahe genial, wie sich die Menschen auf die Spezialitätenbiere stürzen und die wildesten Geschmacks- und Geruchswelten erforschen.

Andererseits, ganz ehrlich, meine altgediente und ziemlich routinerte Braumeisternase riecht das, was Fans und Fachtrinker da alles finden, selten bis nie. Ich halte mich darum lieber an die bewährten klassischen Standardbegriffe, welche das Rosen- und Nelkenbouquet zusammenfassen im Begriff „Floral“, den Früchtekorb mit Bananen, Grapefruits und israelische Orangen als „Citrusnote“ definieren und die vielen andere Gerüche, anstatt in wilden Ausdrücken in den letzten Details beschreiben zu wollen, in Gruppenbegriffen wie „Harz“, „Tee“ und „Holz“ zusammenfassen. Es reicht vollkommen aus um die verschiedenen Stile und Geschmacksrichtungen auseinander zu halten.

Das Problem an der Sache ist das Lernen: wenn man sich mit Kollegen über Biere unterhalten will, sollte man sich vorher auf gewisse Geschmäcker und den dazugehörenden Begriff einigen, oder „eichen“. Sonst spricht man nur aneinander vorbei. Und da hört dann halt der fantasievolle „Blumenstrauss“ plötzlich auf und die ernsthafte Verkostungsarbeit beginnt.

Wenn Sie das noch nie erlebten, so kommen Sie doch mal mit ein paar Kollegen nach Fischingen. Unser Braumeister ist ein routinierter Verkoster, der Ihnen gerne zeigt, wie man Bier verkostet und wie man drüber spricht. Am praktischen Beispiel und mitten in der Brauerei…

 

Hinterlasse einen Kommentar

© 2015 BRAUEREI KLOSTER FISCHINGEN AG