Ist das Wein oder Bier?

Immer wieder hören wir diese erstaunte Frage beim Verkosten unserer holzfassgereiften Grand Crus mit 14-15%. Alc: „…ist das wirklich Bier..?“

Jedesmal wenn ich den 300 Jahre alten Barriquekeller betrete und der herrliche, fruchtige Geruch in meine Nase steigt denke ich selber „riecht wie in einem Weinkeller…“. Obwohl ich doch weiss, was in den alten Fässern reift: Köstliche Grand Cru-Biere. Ich bin darum über diese Frage auch nicht erstaunt. Wenn man das Imperial Belgian Blonde „blind“ in einer Weindegustation mitlaufen liesse, würden bestimmt nicht wenige auf einen besonderen Wein tippen.

PILGRIM Grand Cru im Holzfasskeller
PILGRIM Grand Cru Biere im Holzfasskeller

Wir sind ja bereits mit den vier Bière d’Abbaye Triple 10% in Champagnerflaschen etwas in Richtung „Weinwelten“ gerutscht. Und jetzt, mit den holzfassgereiften Grand Crus mit gegen 15% Alc., haben wir in Bezug auf Aromen, Komplexität und Trinkerlebnis viele „einfachere“ Rotweine abgehängt und bewegen uns immer näher an die Weinkultur. Unsere Gourmetbiere sind eine spannende Alternative zu Weinen. Sie haben mit der üblichen „Stange“ nur noch sehr wenig gemein.

Edle Biere und edle Weine haben viel mehr Gemeinsamkeiten als man auf den ersten Blick vermutet. Die Vielfalt der Traubensorten, Pflege der Rebberge, Kellerarbeit, Hefen und Assemblage finden heute bei den Craftbier-Brauern Parallelen in den vielen duzend Malz- und Hopfensorten, der offener Gärung, Reifung in Holzfässern und Blenden verschiedener Fässer. Gelegentlich kommen sogar die gleichen Hefen zum Einsatz. Weinküfer und Braumeister haben dabei das gleiche Ziel: Ein ganz besonderes, aromatisches, sortentypisches Getränk entstehen zu lassen, welches den Geniesser begeistert und zum treuen Kunden macht.

PILGRIM Brau-Team
vlnr: Braumeister Jonas Kasper, Brauerin Johanna Häberle, Braumeister Marius Prammer

Beide Berufe erfordern viel Sorgfalt, Erfahrung und Fachkenntnisse, um aus den endlosen Möglichkeiten die richtigen Kombinationen zu finden. Die Konsumgewohnheiten bzw. das „Man-trinkt-Wein-zum-Essen“ ist noch in zu vielen Köpfen fest verankert. Es wird noch eine Weile dauern, bis der Gaumen, die Situation und das persönliche Bedürfnis die gesellschaftlichen Regeln durchbrechen. Genau so wird es auch noch viel Aufklärung brauchen, um die Gemeinsamkeiten der Fachwelt aus Weinhandel und Gastronomie näher zu bringen. Gourmetbiere und gute Weine sind nicht „Gegner“, sondern Ergänzungen welche das Angebot spannend machen. Gourmetbiere gehören zwingend in die gepflegten Weinsortimente und nicht ins Discount-Bier-Regal.

Um so erfreulicher ist es, wenn Medien diesen Trend erkennen. Ein Artikel in „Vinum“ mag als gutes Beispiel dienen. Hoffen wir, das sei kein „Strohfeuer“, sondern der Anfang eines erspriesslichen Miteinanders von Bier und Wein im Interesse der Konsumenten. Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Martin Wartmann, Bierbrauer

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