Craftmanship heisst Handswerkskunst…

Die Bierszene boomt, bald jede Brauerei hat eine „Craftbiere-Linie“. Und niemand weiss so genau, was man darunter meint. Jeder interpretiert es ein bisschen anders

Der Begriff stammt aus den USA der frühen 80-iger

als die ersten Heimbrauer begannen, ihre Biere zu verkaufen. Es waren im wahrsten Sinn des Wortes „handwerklich gebraute Biere“, hergestellt auf primitiven Brauanlagen, mit viel Handarbeit. Biere die sich in Geschmack, Aussehen und Verpackung von den klassischen Industriebieren deutlich unterschieden. „Anders schmeckende Biere“ blieben es auch als die Brauereien grösser wurden. Weil kein „Craftbrauer“ die gleichen Biere braute wie sie die „Grossen“ herstellten wurde der Begriff zum Oberbegriff für „anders schmeckende Biere“ aus kleinen, selbständigen Mikrobrauereien die mit viel Handarbeit und wenig Technik funktionierten.

Brauer-Handwerk in der Mikro-Brauerei

beginnt beim Rohstoffe vorbereiten, Wasser kontrollieren, die in Säcke verpackten Malzsorten abwiegen, beim Maischen an der Pfanne stehen und Temperaturen überwachen, Sudjournal nachführen, Hopfen abwiegen und in mehreren Gaben im richtigen Moment dazu geben, von Hand austrebern, Pfannen und Bottiche reinigen, Hefe aufziehen und vorbereiten zum Anstellen, bei offenen Gärbottichen Temperatur messen, Gärprotokoll nachführen, Kräusen abheben, Schlauchen, Aushefen, Spundungsdruck einstellen, Temperatur überwachen, Umdrücken, Tanks und Bottiche reinigen, Füller vorbereiten, Flaschen rinsen, Abfüllen, Verschliessen –  es gibt mannigfaltige Gelegenheiten wo der Brauer in den Prozess beeinflusst und das Reifen und Werden des Bieres beeinflusst. Jeder Sud wird einzeln gebraut, keiner ist ganz genau gleich wie der andere. Eine gewisse Ungleichheit gehört zur Philosophie. Ein gut gelungener Sud ist der Stolz des Brauers.

Industrielle Herstellung in den traditionellen Brauereien

In  kommerziellen Brauereien laufen heute die meisten Prozesse in geschlossenen System und mehr oder weniger automatisch, vom Malz in Silos bis in die Flasche, durch Elektronik überwacht. Es sind oft die gleichen Rezepte für untergärige helle Lager, Spezial, Zwickel.  Spezialitäten-Biere,  die anders schmecken, entstehen zwar aus anderen Rohstoffen, aber auf den gleichen Anlagen und zum grössten Teil mit ähnlichen Prozessen. „Handarbeit“ gibt es kaum. Qualität und Bierstil entscheidet der Braumeister am Computer. Da wird das neue Bier rezeptiert. Durch Verschneiden der Sude bleiben die Differenzen nicht mehr erkennbar. Ziel sind möglichst gleichartige Biere- es ist eine andere Philosophie.

Begriffsverwirrung

Heute wird jede trendige oder traditionelle Spezialität, sogar kommune helle Lagerbiere und kaltvergorene Zwickel, als Craftbier deklariert. Egal wie und wo es hergestellt wird. Konzern-Brauereien bieten ihre Bierspezialitäten aus „Millionen-Hekto-Brauereien“ als „Craftbier“ an. Der Begriff ist verwässert. Er hat jede Bedeutung als Herkunfts- oder Qualitätsmerkmal für von Hand gebraute, individuelle Biere verloren.

Der Begriff „Craftbier“ dürfte den gleichen Weg gehen wie vor Jahrzehnten der Begriff „PREMIUM“ der von der teuren Edelmarke auf die Discountbiere runtergerutscht ist…..

Es wird Zeit, dass sich die echten Mikrobrauereien von diesem Begriff verabschieden. Bevor auch die „Craftbiere“ im Discount mir 50% Rabatt verhökert werden…

  • antworten Seiler Jack ,

    Es ist ein ganz besonderes Bier

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