Es ist still im Fischinger Klosterhof – Winterschlaf.

Das Restaurant ist geschlossen. Ein paar Hotelgäste freuen sich über diese Ruhe. Ideal zum Meditieren, den Gedanken nachgehen und zum Kraft schöpfen für den Frühling. Bei allen schlimmen Folgen – ein Lockdown hat auch seine guten Seiten. Nur die Brauer schlafen nicht. Im Gegenteil sogar….

Hochsaison in der Brauerei

Winterzeit ist traditionellerweise Hochsaison in der Brauerei.  Einfach ein bisschen anders als im Sommer. Über Jahrhunderte, bis ca. 1830, herrschte in Bayern von April bis September das „Sommer-Brau-Verbot“. Weil damals die Biere im warmen Sommer umgehend sauer wurden, hat man den bürgerlichen Brauereien das Brauen verboten. Erlaubt war es nur Brauereien des Adels, welche über kalte Felsen-Keller verfügten. In Belgien ist das zum Teil heute noch der Fall. Die Brauerei Cantillon in Brüssel zum Beispiel braut ihre Gueuze und Lambics von November bis März. Im Sommer wird Bier verkauft – und nicht gebraut.

Winterzeit in der Brauerei

Fast immun gegen Verderb

Mit unseren PILGRIM-Biere mit über 10% Alkohol haben wir den Vorteil, dass sie gegen Verderb fast immun sind. Dank dem Alkohol werden sie mit dem Alter nicht stumpf und brotig – im Gegenteil, sie reifen nach und werden immer besser. Wir brauen darum auch im Winter mit voller Craft unsere Triples und Grand Crus, legen uns einen Vorrat an und freuen uns über die Kälteperioden. Wenn unser Champagnerflaschenbiere im Lager so richtig kalt haben, sogar Minus, so hilft das der Kohlensäurebindung und der Verfeinerung des Aromas. Im warmen Sommer sind wir dann ausgelastet mit den leichteren „Anfängerbieren“ mit 5-6% Alc., Kloster Amber, IPA, Saisonbiere und brauchen uns nicht um die Triples und Grand Crus zu kümmern.

Kontrolle durch den Auditierung-Spezialist

Winter ist auch Zeit auch für Kontroll- und Revisionsarbeiten. Der Auditierung-Spezialist ist da. Er nimmt Proben von Leitungen, Schläuchen, Luft, Wasserhähnen, Tanks und untersucht sie auf Bierschädlinge und Bakterien. Dazu nimmt er Biere mit und analysiert sie, kontrolliert Sudjournale,  Manuals und Analysen, schreibt in seinem Bericht über den hygienischen Zustand der Brauerei, Schwachstellen, empfiehlt Massnahmen und gibt seinen Kommentar ab zur Einhaltung der Produktions- und Kontrollprozesse. Ein guter Bericht der Betriebskontrollprofis ist für Braumeister und Brauer wie ein „6-er“ im Schulzeugnis. Man freut sich und ist stolz.

Auch Winter im Barriquekeller

Hochsaison herrscht auch im Barriquekeller. Holzfässer darf man nicht im heissen Sommer verschieben. Jetzt ist die Zeit da, frische Fässer einzulagern und sie zu befüllen, damit die Grand Crus über den Sommer im kühlen Keller und mit dem „atmenden“ Holz ihre Aromen verfeinern und die Hefen langsam weiterarbeiten können. Was man bis im April nicht im Fass hat, ist fürs Jahr (fast) verloren. Eile ist angesagt bis alle die Belgian Blonde, IRS., Jahrgangsbier und Limited Editions im Fass oder in den Flaschen sind.

Bier als Heilmittel

Auch die Trinkgewohnheiten ändern sich ein bisschen. Früher inhalierten die Biersieder 15 Minuten lang heissen Würzedampf. Dazu tranken sie jeden Morgen zum Frühstück einen Liter warme Vorderwürze mit 18% Malzzucker – möglichst heiss und direkt aus dem Läutergrant. Das war die Bierbrauer-Grippe-Impfung.  Heute ist`s eher ein etwa 30 Grad warmes Triple Ambrée 10% mit einem grossen Löffel Honig – und dann ab ins Bett zum Schwitzen. Hilft gegen den Schnupfen und andere Zipperlein. Und lässt den kältesten Winter gut überstehen.

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