Die Sache mit den Bierdosen

Sie sind umstritten, die Dosenbiere. «Schmeckt nach Blech», hört man. Billigbier kommt in den Dosen – für Säufer. Aluminium belastet die Umwelt, ist ein Argument. Und jetzt füllt PILGRIM handwerklich gebraute Biere in Dosen ab? Gooht’s eigendlich no?!

Fangen wir vorne an: Ist Aluminium eigentlich umweltfreundlich? Zwei Drittel des Aluminiums ist eigentlich Energie. Das meiste Bauxit für die Alu-Gewinnung kommt aus Australien, wo man den Schmelzprozess mit Strom aus Flusskraftwerken generiert. Das ist Strom, der sonst nicht in unsere Energie-Kreisläufe käme, weil die Distanzen zu gross sind.

Im Aluminium importieren wir darum viel umweltfreundliche Energie, die sich x-fach wiederverwenden lässt. Vorausgesetzt, das Aluminium wird gesammelt und wiederverwendet. Das kann man mit dem Metall unbeschränkt oft machen. 

Und wir Schweizer sind im Alusammeln Weltmeister. Um die 90% des Verpackungsaluminiums wird recycelt. Finanziert wird das mit einer Gebühr von CHF 0.02 pro Dose. Genau darum wird Alu vom Staat als Verpackungsmaterial ohne Pfand akzeptiert.

„Das Bier schmeckt blechig!“

Das ist natürlich falsch – Aluminium ist geschmacksneutral und nimmt keinen Geschmack an. Fehlgeschmäcker beim Dosenbier kommen vom Sauerstoff, der beim Abfüllen ins Bier kommt.

Das Dosenbefüllen ist heikel. Man bläst die offene Dose mit Stickstoff aus und verdrängt so die Luft. Das Bier fliesst langsam durch ein dünnes Füllrohr, welches bis an den Boden der Dose reicht. Es darf keine Verwirbelung geben, keinen Schaum. Der Stickstoff wird so verdrängt  – und zuletzt, zack, kommt der Deckel drauf.

Das funktioniert nur, wenn das Bier fast null Grad hat. So bleibt die Kohlensäure im Bier. Beim geringsten Fehler schliesst man Sauerstoff in der Dose ein. Das führt unweigerlich zur Oxidation bzw. zum «Dosengeschmack».  Daran ist nicht das Aluminium schuld, sondern der Braumeister.

Die Dose als Kampfmittel gegen die Kleinen

Dosenabfüllstrassen waren jahrelang eine extrem teure Geschichte, die sich nur die grossen Konzerne leisten konnten.  Darum setzten die Grossbrauer die Halbliterdose gerne als Kampfartikel gegen die Kleinen ein und verhackten darin ihre billigen Massenbiere.

Das hat dem Image der Dose massiv geschadet. Einmal mehr sind uns jetzt die Craftbier-Kollegen in USA vorangegangen. Sie haben Kleinstdosenfüllanlagen gebaut – ironischerweise mit Präzisionsventilen aus Europa. Diese Geräte konnten, dank der hohen Stückzahlen, zu  günstigen Preisen den 7.000 Craftbierbrauern angeboten werden. Der Erfolg war durchschlagend!

Alle Kleinen füllen jetzt Dosen ab. Allerdings, es sind ausschliesslich kleine 33cl Dosen, bunt aufgemacht, mit den verrücktesten Etiketten. Das Farbspiel in den Regalen macht den Craftbiermarkt zusätzlich attraktiv.

Darum nutzen wir auch Dosen

Die Dose hat entscheidende Vorteil. Sie ist leicht und unzerbrechlich, braucht  weniger Platz im Kühlschrank oder im Rucksack, sie ist sofort kalt – allerdings auch sofort wieder warm – und lässt sich dank der einfachen Form wunderbar dekorieren. Das alles macht die Dose zum idealen Gebinde im E-Commerce.

Für PILGRIM ist der E-Commerce und Versand existentiell. Wir sitzen nicht in der Stadt mir grossen Frequenzen. Wir brauchen den Versand zu unseren Kunden.

Darum füllen wir jetzt testweise zwei Trendbiere auch in die Dosen ab. Unser PILGRIM IPA und Cherry Blanche. Beide sprechen auch unsere jüngeren Kunden an. Die Klassiker, wie das PLGRIM Kloster Amber und das PILGRIM Waldbier lassen wir in der Flasche.

Möglich ist das, weil zwei junge Unternehmer die Nische entdeckt haben. Sie haben sich eine dieser Kleinstdosenfüllanlagen beschafft und umgebaut auf unsere europäischen Standarts. Damit fahren sie von Kleinbrauer zu Kleinbrauer und füllen deren Biere ab. 2.000 Dosen pro Stunde.

Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen – seither boomen die Craftbierdosen auch in der Schweiz. Mit der Dose machen die Kleinen den grossen Brauereien «eine lange Nase». Ein Wettbewerbsvorteil ist verschwunden.

Der Dosenverkauf wird ansteigen. Die Kunden «lernen» künftig die Dose. Genauso wie sie «Plastikflaschen» lernten. Ich erinnere mich an die Zeiten als man die aufkommenden Plastikflaschen als „gruusig“ aburteilte. Heute gibt’s praktisch nur noch Plastikflaschen. Die Dose wird einen ähnlichen Weg gehen – irgendwann wird sie normal.

Allerdings, sicher nicht für alle Produkte. Unsere Triples und Grand Crus in der Dose sind auf ewig ein No-Go! Unsere Dosen verpacken wir in 12-er-Cartons, die genau ins Ablagefach der Briefkästen passen. Sicher versorgt. Aus dem ehemaligen Milchkästli wird so ein Bierkästli. Zum Cherry Blanche geht’s hier, zum IPA hier. Wir sind gespannt, wie Ihnen diese Neuerung gefällt.

Leave a comment