Henauer Urkunde 6. August 754
Rothpald überträgt dem Kloster St. Gallen für sein Seelenheilt seinen Besitz im Thurgau, in Rickenbach, in Wil, Züberwangen, Oberwangen, Dussnang/Fischingen, Schlatt, Bützberg und Wenzikon mit allem Zubehör und ausserdem seinen Unfreien Nandeng mit dessen Frau Bruna samt ihrer Hufe und allem Zubehör sowie seinen Unfreien Wolfar mit dessen Frau Ata samt ihrer Hufe und allem Zubehör. Er behält sich aber den weiteren Besitz der Güter gegen einen jährlichen Zins von 30 Eimer Bier, 40 Broten, einem Frischling im Wert von einem Tremissen, 30 Getreidegarben sowie gegen die Bewirtschafung von zwei Joch Land und ewaigen Fuhrdiensten vor. Auch seinen Sohn kann in diesen Zinsverhältnissen verbleiben. Quelle Stiftsbibliothek St. Gallen
1272 Jahre Fischinger Brautradition: unser flüssiges Erbe
Die Geschichte des Fischinger Bieres beginnt mit einem kostbaren Per-gament am 6. August 754. In der „Henauer Urkunde“ wird, nebst anderen Dörfern unserer Region, erstmals namentlich Wil (Wila) er-
wähnt, als Grenzort für ein Gebiet. Es ist für die Wiler aber Anlass für Ihr Stadtfest mit dem jährlichen Bierzins. Die Urkunde liegt heute in der Stiftsbibilothek im Kloster St. Gallen.
Für uns in «Tuzzinwang» (Dussnang und Fischingen) ist diese Urkunde
der Beweis, dass bereits vor 1272 Jahren hier im Tannzapfenland, mit dem Wasser aus der heutigen Klosterquelle, nicht wenig Bier gebraut wurde.
Und für die europäische Biergeschichte ist das Dokument ein Meilen-stein: Der Begriff «Cervisa» taucht zum ersten Mal in einem amtlich
Dokument auf. In der Urkunde heisst es nämlich: „...et XXX siclas de cervisa“ – übersetzt «30 Eimer Bier». Cervisa ist ein neuer Begriff, der bisher nicht vorkam. Er setzt sich zusammen aus dem römischen Wort «Ceres» - Göttin des Ackerbaus – und «Visa» für Kraft. Es ist eine Wort-schöpfung für ein mystisches Getränke dessen Ursprung bei den Kelten liegt und von den Römern adaptiert und entsprechend getauft wurde.
Ursprung im Tannzapfenland
Anlass für diese Urkunde war eine Schenkung des freien Bauern Rotbald an das Kloster St. Gallen. Zwar nennt die Urkunde unter an-deren Ortschaften eben auch Wil, doch das wirtschaftliche Zentrum von Rotbald lag in der Gegend des heutigen Dussnang und Fischingen.
Aus Sorge um sein Seelenheil verschenkte er seinen Besitz dem Kloster. Er durfte das Land zwar weiter bewirtschaften, verpflichtete sich aber zu einem jährlichen Zins von 40 Broten, 3 Garben Getreide, einem Frisch-ling und 30 Eimer Bier (ca. 350-400 Liter).
Diese beachtliche Menge beweist - bereits 400 Jahre vor der Kloster-gründung in Fischingen (1134) gab es im Tannzapfenland eine gut entwickelte Braukultur. Um Bier zu brauen brauchte man Malz, gekeimtes und getrocknetes Getreide. Das Wasser stammte aus derselben Quelle die uns heute noch das Brauwasser liefert. Es brauchte Töpfe von beachtlicher Grösse und Fässer oder Krüge zum Transport. Das selbst-gebaute Bier war wertvolles Tausch- und Zahlungsmittel. Handel damit funktionierte aber nur mit gutem Bier. Auch die St. Galler Mönche hatten Qualitätsansprüche! Sie waren auf Bierlieferungen angewiesen. Der berühmte Klosterplan, worin drei Brauereien vorgesehen sind, entstand 80 Jahre später.
Wir pflegen eine uralte Tradition
In der Brauerei im Kloster Fischingen knüpfen wir an diese Tradition an. Wir brauen mit dem gleichen Wasser und würzen unser Waldbier, wie damals, statt nur mit Hopfen auch mit Kräutern. Und während man in Wil einmal im Jahr das „Papier“ feiert, brauen wir das ganze Jahr rich-tiges «Rotbald-Bier». Darauf sind wir ein bisschen stolz.
Hol` Dir ein Stück Fischinger Bier-Geschichte nach Hause. Was früher den Aebten und Patres vorbehalten war ist heute ein Genuss für alle. Nicht filtriertes PILGRIM Waldbier mit frischer Hefe und Kräutern gewürzt. Wie vor 1200 Jahren ein wunderbarer Durstlöscher
